Ulrike Auras

Ulrike Auras (früher Pichler) kam 1996 zu Tollhaus, ihre erste Rolle war die Célimène in «Der Menschenfeind» (Molière/Enzensberger). Dann übernahm sie erstmals die Regie. 1998 inszenierte sie die deutsche Erstaufführung von «Die Amazonen» (Stefan Schütz). Im Merkur hieß es dazu: „Der Theatergruppe Tollhaus ist unter der Regie von Ulrike Pichler eine kluge Mischung aus martialischen Szenen und charakterlichen Fallstudien gelungen. ... Tosender Applaus am Schluss. „Die Amazonen“ sind einer der Jahreshöhepunkte im Programm der Pasinger Fabrik.“ Und in der AZ war zu lesen: „Regisseurin Ulrike Pichler macht das einzig richtige mit dem Text: Sie filtert einen actiongeladenen Emanzipationsthriller heraus.“

Es folgten zwei weitere Inszenierungen: Dirty Dishes (Nick Whitby) und Hiob Proben (Istvàn Eörsi). Danach stand Ulrike Auras wieder auf der Bühne, zunächst als Lady Duncan/Lady Macbett (Macbett, Ionesco) und als Teresa in Shelagh Stephensons Das Gedächtnis des Wassers. Es folgte «Das Catull-Projekt», eine erste Eigenproduktion der Tollhaus Theater Compagnie, an der sie als Autorin, Regisseurin und Schauspielerin maßgeblich beteiligt war. Die Inszenierung und Bearbeitung von Peter Shaffers Drama Das Geschenk der Gorgo markiert einen ersten Höhepunkt in der Regie-Arbeit von Ulrike Auras. In den folgenden Tollhaus-Inszenierungen – «Top Dogs» (Urs Widmer), «Herr Kolpert» (David Gieselmann), «Othello.Therapie» (John von Düffel) und «Popcorn» (Ben Elton) – hat sie sich wieder ganz auf das Schauspiel konzentriert.

Ihre Zusammenstellung und Inszenierung des Valentin-Abends «Und am Ende trat plötzlich der Schluss ein» fand bei Publikum und Presse große Zustimmung. So hieß es in der SZ: „... und Ulrike Pichler unterstreicht in ihrer Inszenierung mit der Tollhaus Theater Compagnie die absurden und sozialkritischen Elemente Valentins. ... frisch, engagiert, eigenwillig. Derart könnte man beispielsweise beim Theaterfestival in Avignon Valentins Werk einem internationalen Publikum näher bringen ...“ Mit ebenfalls großem Erfolg spielte sie dann in «Glückliche Zeiten» von Alan Ayckbourn – vier Kellnerinnen und eine Wirtin – und war dabei laut Merkur-Kritik „... auch als wohlklingender Mezzo der Situationskomik gewachsen ...“.

Die Rolle der «Penthesilea» in Heinrich von Kleists gleichnamigem Trauerspiel war die bisher größte schauspielerische Herausforderung für Ulrike Auras. Ihre Darstellung der Amazonenkönigin fand beim Publikum begeisterten Zuspruch. Mit ebenso großer Intensität wie die «Penthesilea» spielte sie schließlich eine Moskauer Bürgerin in dem spannenden Geiseldrama «Nordost» von Torsten Buchsteiner. Für die Programmhefte dieser Inszenierungen schrieb Ulrike Auras auch Beiträge über die schauspielerische Arbeit an den beiden Rollen. Der Autor Torsten Buchsteiner in einer Mail an den Regisseur Christian Auras: „Ich wollte Ihnen schreiben, dass ich mich sehr über das Programmheft gefreut habe ... auch über den Artikel Ihrer Frau über die PTB, denn das ist exakt, um was es mir geht. So genau hat das bisher noch keine Schauspielerin beschrieben, was in dem Stück mit ihr passiert. Ich war sehr begeistert.“

Für die Tollhaus-Produktion, «Schillers sämtliche Werke ... leicht gekürzt» 2010 (von Michael Ehnert), hat Ulrike Auras wieder die Regie übernommen sowie das Programmheft konzipiert und Beiträge dafür geschrieben. Das Stück löste beim Publikum Begeisterungsstürme aus und auch die Presse zeigte sich beeindruckt. So war im Merkur zu lesen: „Sie huldigten dem Meister auf unkonventionelle Weise. Die Tollhaus Theater Compagnie bewies in der Pasinger Fabrik, dass klassische Dichtung auch heute, 250 Jahre nach dem Tod von Friedrich Schiller, unterhaltsam und von tiefer Wahrheit sein kann. ... Mit einer temporeichen Inszenierung ... zeigte die Tollhaus Theater Compagnie, wie klassische Dichtung im Medienzeitalter funktioniert ... bot einen witzigen Rundumschlag um Leben und Werk.“

Auch wenn schon in Ayckbourns «Glückliche Zeiten» (2007) einige kleine Gesangseinlagen von ihr gefordert waren und aus dem Stand gemeistert wurden, so bedeutete der Liederabend «Lust» von Franz Wittenbrink dennoch eine riesige Herausforderung für die Schauspielerin. Nach intensiver Probenzeit und Gesangsunterricht überzeugte Ulrike Auras schließlich als abgehalfterte Ex-Stripperin und Putzfrau das Publikum mit Liedern von Hildegard Knef, Tina Turner und Janis Joplin. Dazu eine Zuschauerin: „Die abgetakelte Alte hätte ruhig noch ein paar Nummern mehr verdient.“

Für das Drama «Ismene» von Jeremy Menekseoglu übernahm Ulrike Auras die Stückdramaturgie und spielte auch die Rolle der Philomela, einer geschundenen Frauenfigur aus der griechischen Mythologie (überliefert in den Metamorphosen des Ovid).

Gemeinsam mit Christian Auras war sie dann federführend bei der Produktion «Büchner.Lenz.Woyzeck». Zusammen mit einigen SchauspielerInnen dramatisierte sie die Erzählung «Lenz», um sie dann mit dem fragmentarischen Theaterstück «Woyzeck» zu verknüpfen. Die beiden Geschichten wurden zunächst parallel erzählt und überlagerten sich dann zunehmend an den inhaltlichen Schnittstellen „Halluzinationen“, „Stimmen hören“ und „Mord“. Der Theaterabend war ein großer Publikumserfolg – „Ganz großes Theater“ – und Büchner- und Literaturkenner lobten: „Als hätten die beiden Werke immer schon zusammengehört.“ Oder: „Büchner noch nie so gut umgesetzt gesehen.“ Sogar Büchnergegner waren begeistert: „Ich mag Büchner nicht, aber das war das beste, was ich von Tollhaus je gesehen habe.“

In dem zeitgenössischen Theaterstück „Funkenflug" der kroatischen Autorin Tena Štivičić widmete sich Ulrike Auras wieder ganz der Schauspielerei und war erstmals als »komische Alte« zu sehen. Auf der Internetseite Munich Magic Moments hieß es dazu: »... Olivia, eine alte Dame Anfang 70 - hinreißend gespielt von Ulrike Auras, die boshafte Spitzzüngigkeit mit Herz zu verbinden versteht.« Im darauffolgenden Jahr spielte Ulrike Auras in „Hamlet“ von William Shakespeare ihre erste Männerrolle – den machtgierigen Mörder und intriganten Kontrollfreak Claudius.

www.ulrike-auras.de


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