Zeynep Tunç

Als Zeynep Tunç 2002 für «Das Catull-Projekt» zur tollhaus theater compagnie stieß, musste sie gleich ins kalte Wasser springen. Einen Tag vor der Premiere übernahm sie kurzfristig die Abendtechnik - und meisterte sie souverän während aller Vorstellungen. Sie sei, erinnert sie sich, vom wunderbaren Soundskript Christopher Fellingers und von der Eigendynamik der Gruppe beeindruckt gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits Bühnenerfahrung in der Türkei gesammelt. Sie sagt, sie habe bereits als Kind das Theater als etwas im schönen Sinn Ernstes und die Bühne als etwas Geheimnisvolles empfunden; die Parallelwelt des Theaters habe sie fasziniert. Während ihrer Schulzeit in Ankara wirkte Zeynep Tunç an mehreren Theaterproduktionen mit; dabei tanzte oder musizierte sie vor allem, seltener stand sie als Schauspielerin auf der Bühne - die anderen Schauspieler waren ihr nicht ernst genug. Als sie nach ihrem Abitur von Ankara nach München zog, machte sie erst einmal Bühnenpause, bis sie 2002 der Tollhaus Theater Compagnie begegnete. Für eine Auftragsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gruppenanalyse trat sie bei Tollhaus zum ersten Mal als Schauspielerin in Erscheinung, und spielte - ebenso zum ersten Mal - nicht in ihrer Muttersprache, sondern auf Deutsch. Dieser Auftritt ermutigte sie dazu, von nun an in einer Fremdsprache Theater zu spielen. Gleich im Jahr 2003 setzte sie dieses Vorhaben um. In Peter Shaffers «Das Geschenk der Gorgo», das sie als Drama nach ihrem Geschmack bezeichnet, beeindruckte sie als Athene sowie in einigen kleineren Rollen. Im Jahr 2004 formte Zeynep Tunç in Urs Widmers «Top Dogs» aus einer ursprünglichen Männerrolle das fein gezeichnete Porträt einer Frau in der Outplacement-Umgebung. Nach «Top Dogs» nahm sie wieder eine Theaterpause, in der sie aber hin und wieder für die Abendtechnik einsprang. 2008 trat Zeynep Tunç als Prothoe in Heinrich von Kleists «Penthesilea» wieder auf die Bühne («Meine erste Begegnung mit Kleist und seiner Sprache») und beeindruckte in dieser Rolle durch ihr emotionales, bewegendes Spiel. Sie selbst sagt, sie habe Prothoe mit jedem Tag mehr verstanden und bezeichnet sie als «vielleicht meine Lieblingsrolle. Mit dieser Halfpipe auf der Bühne zu spielen, hat unglaublich viel Spaß gemacht». Schon in der Folgeproduktion «Nordost» von Torsten Buchsteiner (ein Stück, das sie gerne noch einmal spielen würde) stand sie wieder auf der Bühne. In ihrer Rolle als «Schwarze Witwe» Zura, bewegte Zeynep Tunç das Publikum wiederum durch ihre Authentizität und ihre tiefe Emotionalität. Im Jahr 2009 konnte sie ihr lange gehegtes Interesse umsetzen, den Produktionsprozess «einmal von der anderen Seite mitzubekommen». Für die Produktion von Michael Ehnerts «Schillers sämtliche Werke ... leicht gekürzt» arbeitete sie als Regieassistentin von Ulrike Auras. «Dank der Regisseurin und des harmonischen Schauspielerensembles eine sehr schöne Erfahrung mit einigen Antworten und noch viel mehr neuen Fragen über das Theater», lautet ihr Fazit.

Über ihre Lust am Theater sagt Zeynep Tunç: «Die Konzentration auf der Bühne zieht mich am meisten an! Die Klarheit, die man zu erreichen versucht. Die unsichtbaren Schnüre ... Die Befriedigung und das Glück des richtigen Timings. Und die Freiheit unter dem Schutz der Rolle, die allen Menschen gut tun würde»

Ach ja, einen Wunsch hat sie im Augenblick gerade an das Theater: «Ich wäre gerne mal sau lustig»


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